wo ist das kosmodrom geblieben?

der leere-koeffizient des beitrags auf der fritzi berger-skala: 1+1=11

frühmorgens ging ich bestens gelaunt zur arbeit. doch das kosmodrom-nowosindromsk war nicht mehr da. wo einmal das eingangstor gewesen sein könnte, stand jetzt eine einsame trauerweide in mitten einer sumpfigen wiese. nichts deutete darauf hin, dass sich hier einmal das laboratorium zur rettung der welt vor der menschheit befunden hatte. auffällig waren die unzähligen kuhfladen auf der wiese, die derart gleich aussahen, dass sie aus einem 3d-drucker oder von einer artifiziellen kuh stammen mussten. was mich aber persönlich beschäftigte: wartete hier eine trauerweide auf mich, weil ich erwartungsgemäß traurig war oder war ich erwartungsgemäß traurig, weil hier eine trauerweide auf mich wartete? während ich diese frage mit „egal“ von meiner mentalen krisenbewältigungscheckliste strich, tauchte die nächste auf: wartete hier überhaupt jemand auf mich oder war dies eine von diesen beeindruckenden nahnichtserfahrungen, die mich begeisterten und gleichzeitig tieftraurig machten? unentschlossen warf ich mich bäuchlings in die wiese, um zu lachen oder zu weinen, wodurch ich bemerkte, dass die kuhfladen echt und frisch waren. sie stammten entweder aus einem 3d-drucker für organische materie oder von einer hochbegabten kuh. diese beiden optionen, deren gemeinsamer nenner zeitlupenartig an mir herunter rann, gaben mir auf drastische weise den entscheidenden fingerzeig.
nachmittags schlich ich mich in den pseudojapanischen garten des hiesigen sushizustelldienstbetreibers und hinterlegte in einem plastikschrein, der sich auf einem betonierten inselchen befand, das von einem kleinen, von schildkröten bevölkerten teich umgeben war, zwei präparierte bananen: an der innenseite der schalen beider bananen hatte ich mit lebensmittelfarbe meine nowosindromsker personalnummer eingraviert.
hinter einer kunstharzbuddhafigur ging ich in deckung. nach rund zwei stunden konnte ich von meinem versteck aus beobachten, wie eine ältere dame, die einen pavian an der hand führte, zum teich ging. der affe sprang auf die kleine insel und entwendete beide bananen aus dem schrein. eine banane aß er samt schale sofort auf, die andere legte er in einen handlichen weidenkorb, den die frau mit sich trug. plötzlich winkte mir der pavian zu. im selben moment entdeckte mich die dame. sie stürmte auf mich zu, griff in ihren weidenkorb und schleuderte ausgerechnet die zweite banane auf mich. entsetzt versuchte ich auszuweichen, wobei ich versehentlich in den teich stürzte. mein letzter gedanke, bevor mein kopf auf mehreren schildkrötenpanzern aufschlug und ich erholsamerweise das bewusstsein verlor, war: die verkleidungen und requisiten unserer personalentwicklungsmitarbeiterinnen und –mitarbeiter für innerbetriebliche krisenbewältigungstrainings werden immer bizarrer. hoffentlich.
max r. norden

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