auf der brücke
Logbuchzeit: 30.03.2009, 12:48    E-Mail
brueckeneulich nachts, am heimweg von einem fast zu bezaubernden abend mit ornella und rurik, ging ich über die westnowosindromsker brücke heimwärts. da entdeckte ich einen mann, der am brückengeländer lehnte und offensichtlich gerade in die tiefe pissen wollte. nachdem die westnowosindromsker brücke einen schlag über die elektrifizierte hyperschnelle super-bahn macht und deshalb in schlanker höhe stromdurchflutete oberleitungen vor sich hin spannen, ein nahezu selbstmörderisches unterfangen. als der mann mich sah und sah, dass ich ihn sah, geschah das, was so manchem leser dieser zeilen schon mal am pissoir passiert sein könnte. allein der verdacht, dass dich jemand beim pissen beobachtet, reicht, und es kommt zu einer dieser völlig unverständlichen urinalen ladehemmungen. in meinem fall bzw. im fall des mannes am geländer eine lebensrettende psychosomatische reaktion. doch was sollte ich jetzt tun? weitergehen, die ladehemmung hemmen und dem selbstmöderischen urinstrahl freien lauf in den tödlichen abgrund lassen? was würde ein waschechtes mitglied der pissing tools jetzt machen? näher treten? den genitalbereich des anderen visuell fixieren, sodass jeder tropfen förmlich zu beton gerinnt? da fiel mir ein, dass der hero eines albert camus-romans einmal vor einer ähnlichen frage stand.

(max rasputin norden für nowosti nowosindromsk)