expeditionsbericht “die reise zum nichts”

der leere-koeffizient des beitrags auf der fritzi berger-skala: fk98?³

der bericht über die expedition von cpt. curiosita und max norden zum nichts:

etappe 1: “we loose our brain in eizenstain.”

wir gelangen in unserer als zug getarnten mobilen psychologischen versuchsanstalt pünktlich zum ausgangspunkt der reise zum nichts. kurze akklimatisierung in der außenpostenkantine von „eizenstain“ – der letzten, unmittelbar an der grenze zum nichts: abschiedsformalitäten und kompakt-kontrollierter alkoholexzess. noch am selben abend stoßen wir in die wildnis jenes rayons vor, der für uns den rand des nichts darstellt.

die erste nacht so gut wie im nichts. wir schlafen – wie auch in den darauffolgenden nächten – unter freiem himmel. eingehüllt in unsere biwaksäcke (sarkofagozyten) schwitzen und dampfen wir vor uns hin, betäubt von bier, rotwein und schnaps, und nichts verstellt unseren blick in die gigantischen weiten des nichts.

mitten in der nacht kommt zur feuchtigkeit in unseren schlafsäcken externe feuchtigkeit in form von saurem nieselregen dazu. halb im wahn verschmelzen wir mit dem uns umgeben nichts, wir zerfließen förmlich, und erwachen früh morgens am ufer eines waldsees in extremer schräglage, mit den köpfen nach unten, sodass uns beiden das wasser bis zu den augenbrauen steht.

etappe 2: “i love the nothing and live in the emptiness.”

nach drei tagen kommen wir zum gräberfeld der vergessenen pionierinnen und pioniere der kosmodromologischen forschung, die uns mit bizarren mannshohen, aus kieselsteinen geformten grabsteintürmchen aus der vergangenheit grüßen lassen. dabei entdecken wir das vermeintliche grab von fritzi berger, des legendären kosmodromologen der ersten sekunde, des urahnen des nichts, gleichsam der urknaller all dessen, worauf wir mit unseren forschungen aufbauen. die resthirnstrommessungsversuche mit fritzis verkohlter schädeldecke ergeben erste eindrücke von seinen letzten/ersten visuellen und auditiven wahrnehmungen des nichts.

etappe 3: “we are on the path of madness, sleeping in the woods and swamps, walking through the beauty of emptiness.”

mitten im urwald treffen wir den mobilen wildnisgastronomen und ehemaligen ‘lost-angels-bar’ keeper ‘have fun!’-radovan, der uns – wenn trifft er hier sonst noch? – mit seinen mitgebrachten spezialitäten verwöhnt. in seinem zum imbiss-laden umgebauten monstertruck bietet er kulinarisches feil, das uns die bisherige ernährungsmäßige spartanik unserer expedition rasch vergessen lässt: streng riechende spirituosen aus anderen epochen, aufstriche aus fleisch von verschiedensten warmblütern, ebenso geräucherte eichkätzchen-pastete, bei der sich sogar erfolgversprechende resthirnstrommessungen vornehmen lassen.

abends eine beinahe selbstmörderische ganzkörper-waschung im eiskalten fluss, wobei sich der dreck nur mehr mitsamt den muttermalen lösen lässt.

etappe 4: “at night we are watching the dying stars.”

nichts.

etappe 5: “everywhere you go, always take the woods with you.”

wir entdecken gigantische anbauflächen merkwürdiger pflanzen, deren spitze spermiden sich mit kamikazeoider hartnäckigkeit durch unsere adjustierung bohren. wenngleich diese pflanzen vermutlich über kein autonomes nervensystem verfügen, so haben sie doch – wie cpt. curiosita, davon fasziniert, gebets- und (während des schlafs:) pfeffermühlenartig vermerkt – eine „geniale strategie“ entwickelt, um uns von einem weiteren vordringen in die tiefe des nichts abzuhalten. deshalb bleibt uns auch nichts anderes übrig, als diese pflanze ‘fritzi-berger-pflanze’ zu taufen.

etappe 6: “we are coming from the woods, and we are going to the woods.”

irgendwann entdecken wir im immer dichter werden wald plötzlich eine freie, mit betonplatten ausgelegte fläche, umgeben von ungewöhnlich hohen, aber abgestorbenen bäumen. ein (ehemaliger?) ufolandeplatz? hat das nichts exterrestrische quellen? oder ist es von hier aus aufgebrochen, um das universum zu erobern? egal. drei betonierte wege führen sternförmig von unserem platz aus in die wälder. wir entscheiden uns für einen davon und gelangen nach zwei stunden wieder zum ausgangspunkt zurück. wir versuchen einen anderen weg, mit dem es uns genauso ergeht. auch ein dritter versuch führt uns wieder hierher. wir jubeln. das nichts hat sich endgültig manifestiert. wir stehen im zentrum des nichts. wir verzeichnen diesen punkt in unserer landkarte mit 0/0/0, singen die zwei beliebtes lieder unserer forschungsabteilung „ich bin eine dotterblume“ und „mimimimimimi“, zeichnen sie auf und senden sie an die abteilung “von mitarbeiterInnen zu mitarbeiterInnen” des kosmodrom nowosindromsk. dann bereiten wir uns auf den tod vor. oder das leben. je nachdem. nichts mehr. nichts weniger. ende.

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